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Kunst Macht Schule
Abschlussausstellung
18. — 28. Juni 2020
Ort
online
Publikation
Katalog zu Kunst Macht Schule
Master Projekte
2020
Webseite
www.kumasch.ch

Kunst Macht Schule

Von den grossen Ausstellungen wie Biennalen und Documenta wird aktuell erwartet, dass hier mittels Kunst die zentralen Fragen der Zeit gestellt, engagierte Zeitzeugenschaft abgelegt oder kritische Diagnosen geboten werden. Künstler*innen werden gezielt eingeladen, themen- und kontextspezifische Projekte zu entwickeln, die sich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen beschäftigen oder mit realen Communities vor Ort zusammenarbeiten. Diese grossen internationale Kunst- und Kulturevents sind aber längst selbst zu einem relevanten wirtschaftlichen Faktor geworden und tragen wesentlich zur Entwicklung und zur Ausstrahlung von Städten bei. Gesellschaftlich engagierte zeitgenössische künstlerische Praxis, wie sie im Master Kunst Luzern gelehrt wird, ist also heute zwangsläufig mit widersprüchlichen Anforderungen und Erwartungen konfrontiert, bewegt sich zwischen gesellschaftskritischem Engagement und der Verwertungsökonomie als Standortfaktor oder Treiber für gesellschaftlichen Wandel.

Das Thema Kunst.Macht.Schule. bezieht sich demnach auf eine Auseinandersetzung mit der Frage was aktuelle künstlerische Praxis gesellschaftlich beitragen oder bewirken kann. Im Laufe des zweijährigen Arbeitsprozesses haben sich daraus drei inhaltliche Schwerpunkte ergeben, unter denen die Studierenden ihre Projekte verortet und weiterentwickelt haben.
Der erste Schwerpunkt betrifft die kritische Befragung des Paradigmas der Kreativität, welches unter aktuellen postindustriellen Bedingungen zu einer zentralen Anforderung ans Subjekt geworden ist, den Status von Rebellion und Alternative definitiv verloren hat und mehr und mehr zu einem Merkmal für Leistungsfähigkeit wird. Der zweite Schwerpunkt bezieht sich auf die grundlegend veränderten Bedingungen für Kunst im Zeitalter einer umfassenden Aufmerksamkeitsökonomie. Strategien des Besonderen, der Provokation oder des Persönlichen, mit welchen Kunst früher oft exklusiv agiert hat, sind in vielfältigen Formen von Werbung, Livestyle-Vermarktung in sozialen Medien und im Standortmarketing aufgegangen und sorgen so für Aufmerksamkeit und monetären Mehrwert. Während Formen der Vergemeinschaftung, reale Begegnungen und pragmatisches Handeln jenseits von Symbolpolitiken in der aktuellen künstlerischen Praxis immer wichtiger werden.
Schliesslich stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Kunst auch in Bezug auf die Bildung selbst. Die Verschiebung von einer umfassenden, an humanistischen Wertvorstellungen orientierten Allgemeinbildung hin zu praxis- und IT-bezogener Berufsausbildung, wie sie von aktuellen Bildungs- reformen begünstigt wird, lässt ästhetische Bildung und musische Fächer immer stärker in den Hintergrund treten. Dabei wären gerade die in der aktuellen künstlerischen Praxis immer wichtiger werdenden Kompetenzen eines interdisziplinär vernetzten Forschens und kooperativen wie kollektiven Handelns für die Lösung anstehender ökologischer und gesellschaftlicher Probleme zentral und müssten auch in der Schule nach wie vor einen hohen Stellenwert einnehmen.

Geplant war eine Ausstellung an unterschiedlichen Schauplätzen im Zentrum von Luzern mit den Projekten, die im Laufe des letzten Jahrs in Kooperation mit verschiedenen Institutionen und Betrieben entwickelt wurden. Dazu gehörten das Natur Museum Luzern, die Zentralbibliothek, das Regierungsgebäude, die Peterskapelle, der Sentitreff, die Mütter- und Väterberatung Stadt Luzern, das Barabas Hotel und die Blok Bar, das HelloWelcome oder die Metzgerei Doggwiler und andere mehr. Bei vielen der geplanten Kooperationen ging es nicht in erster Linie um den Zugang zu Räumen, sondern vielmehr um inhaltliche Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen institutionellen Strukturen, Fachbereichen, Praxisformen, symbolischen Bedeutungen oder Geschäftsmodellen und somit um die Kontextualisierung der künstlerischen Arbeit in und mit einer konkreten Institution. Mit geführten Rundgängen sowie in einer viertägigen «Schule im Park» im Vögeligärtli sollten die Arbeiten dem interessierten Publikum vorgestellt werden. Das war unser Plan bis Corona kam. In den vergangenen drei Monaten des Lockdowns im Frühjahr 2020 waren sowohl die Ateliers an der Hochschule Luzern – Design & Kunst als auch die meisten Institutionen weitgehend geschlossen und die Kontakte der Studierenden und Dozierenden untereinander auf Videokonferenzen reduziert. Die Studierenden waren gezwungen, kurzfristig neue Strategien für eine Umsetzung der Pro- jekte zu entwickeln, die auch ohne den vertrauten öffentlichen Raum oder partizipierendes Publikum auskommen. Umsetzungen im realen Raum sind bis auf wenige Ausnahmen durch digitale Formate ersetzt worden. Anstelle einer Tour durch die Stadt Luzern lassen sich die verschiedenen Projekte jetzt über eine Webseite erkunden. www.kumasch.ch

Angesichts des kompletten Stillstandes des Kunstbetriebs mussten aber auch viele der inhaltlichen Fragen nochmals anders gestellt werden, wurden fast noch dringlicher; Wozu braucht eine Gesellschaft eigentlich Kunst? Und welche Formen von Kunst sind ihr wichtig? Damit verbunden ist auch die Frage nach der Zugänglichkeit künstlerischer Arbeiten, nach dem Vermitteln und dem Anregen von Debatten über einen kleinen Zirkel von lokalen Kunstinvolvierten hinaus. Aus der «Schule im Park» wurde so schliesslich eine «Schule im Netz». Im digitalen «open classroom» werden die verschiedenen Themen und Anliegen der abschliessenden Studierenden nochmals konzentriert vorgestellt und diskutiert. Und im Nachhinein ist die Frage des Archivierens und Zugänglich-Machens dieser Arbeiten im Netz zentral. Und das „dritte“ Publikum ist in diesem Raum ein moderiertes und wird „Monitorings“ unterworfen.

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Künstler*innen und Schwerpunkte

Es liessen sich drei thematische Linien erkennen, die in mehreren Arbeiten aufgegriffen und behandelt wurden. In einer ersten Linie ging es einmal mehr um die Befragung von Rollenbildern, etwa als Mensch oder Künstler*in und um Zuschreibungen von Geschlecht im Sinne einer aktuellen «révolution féministe» wie die Soziologin Aurore Koechlin (2019) schreibt (vgl. Nuit débout 2016 in Frankreich) und um neue Interspezies-Verhältnisse, wie sie von Donna Haraway beschrieben werden (vgl. Staying with the Trouble 2016). Die Verknüpfung von künstlerischer Praxis und feministisch-politischen Anliegen bezogen sich dabei auf eine eigene Geschichte und nutzten eigene Formate und künstlerische Strategien. (Sarah Büchel Sara Stäuble Nicolas Frey Jana Zaugg Samuel Herzog)

Eine zweite Linie betraf die Frage des Gemeinschaftlichen. Wie entstehen Gemeinschaften, was ermöglichen sie, wo sind ihre Grenzen, welche Ausschlüsse produzieren sie und was kann man tun, um sie zu fördern oder zu kultivieren. Auch hier bezog sich künstlerisch aktivistische Praxis bereits auf eine lange Geschichte partizipativer Strategien und community art und musste dabei ihre eigene Rolle und Funktion immer wieder kritisch hinterfragen. (Claudia Morgante Elisabeth Nold-Schwartz Stefanie Janssen Roberta Sabbatini Malin Widén)

Die dritte Linie schliesslich betraf Fragen der Wahrnehmung und kann sich dabei auf zentrale Kompetenzen gestaltender künstlerischer Praxis beziehen. Künstlerische Experimente mit Raum-, Klang- und Bilderfahrungen zielten darauf ab, die Sinneswahrnehmungen jenseits einer flüchtigen, ökonomisch verwerteten Aufmerksamkeit zu erforschen und zu kultivieren. (Lucy Marthaler Lena Lucie Weber Melanie Menzi Noëmi Hermann Mathias Hauser Kristaps Priede)

Die drei thematischen Linien gaben dem Stundenplan der «Schule im Netz» eine Struktur: Natur- und Menschenkunde, Wahrnehmungskunde und Gesellschaftskunde heissen nun die drei programmatisch verstandenen Fachbereiche, in denen je ein Tag lang unterrichtet wird. Künstlerische Praxis muss immer wieder neu erfunden werden, das ist nicht erst seit Corona-Zeiten so!

Sabine Gebhardt Fink & Peter Spillmann

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