Der Pilz am Ende der Welt
Chris Obrist ist in der lokalen Maker-Szene verankert. Ihm sind soziale Themen wie das uneingeschränkte Teilen durch Open Source, Reparieren statt Wegwerfen, Zirkular-Ökonomie, Do-it-yourself wichtige Anliegen, die er auch in seiner künstlerischen Tätigkeit konsequent verfolgt. Die meisten seiner Instrumente und Klanginstallationen sind Handmade Electronics d.h. selbst gebastelt, gelötet und getüftelt. Ein zentraler Denkansatz für seine Arbeit liefert ihm Anna Lowenhaupt Tsing, Autorin des Buches Der Pilz am Ende der Welt, in dem sie den Turbokapitalismus anhand des Matsutake-Pilzes erörtert. Das Myzel als Sinnbild für die Funktionsweise seiner Website ist darum passend. Ein sich stetig ausbreitendes und wachsendes Untergrund-Netzwerk, das kontaminiert, sich aneignet und gleichzeitig alles miteinander verbindet.
Hyperobjekte
Grossereignisse und Naturkatastrophen (sog. Hyperobjekte) würden uns immer häufiger aufzeigen, wie verstrickt und komplex unser gesellschaftliches Zusammensein geworden und wie anfällig und verletzlich unser Habitat sei, welches wir Tag für Tag aus Macht- und Geldgier ausbeuten, so der Künstler. Zerstören wir durch unser Verhalten nicht unsere Lebensgrundlage und die aller Lebewesen auf diesem Planeten? Wie kommen wir aus dieser Negativ-Spirale heraus?
In seinem Beitrag sucht Chris Obrist nach Antworten. Er zeigt Methoden und Ergebnisse aus seiner Ästhetischen Forschung mit Sound und Natur, projiziert auf gesellschaftliche Herausforderungen.