Master of Arts in Fine Arts Lucerne Master Projects Sein Innenleben
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Anna-Lena Rusch, Sein Innenleben, Altdorf, 2017 Anna-Lena Rusch, Sein Innenleben, Altdorf, 2017
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Sein Innenleben
Anna-Lena Rusch
Major
Art Teaching
Art in Public Spheres
Abschlussjahr
2017

Sein Innenleben

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Die Arbeit Sein Innenleben besteht aus vier Hörstationen. Die Besucher und Besucherinnen sind gebeten, ihr eigenes Smartphone mit Internetanschluss zu verwenden, Kopfhörer können vor Ort ausgeliehen werden. Die vier Stationen sind mit einer gelben Betonplatte gekennzeichnet: Darauf steht eine www-Adresse. An der Station im Schlossergässli steht darauf www.schlossergaessli.ch, an der Station an der Tellsgasse www.tellsgasse.ch. Auf den vier Internetseiten gelangt man zur eigentlichen Arbeit: Den gesprochenen Texten.

Die Arbeit untersucht den intimen Ort, der an die Öffentlichkeit gestellt wird und versucht, die Stimmung der Stadt anders festzuhalten. Die Hörstationen auf den Gassen Altdorfs laden den Besucher und die Besucherin ein, in ein Zuhause einzutreten. Das Fenster soll hier Analogie zum Bildschirm sein, von dem aus man heutzutage leicht Einblicke in fremde Wohnungen bekommt ohne tatsächlich die Schwelle der Privatsphäre zu überschreiten. Die Überlagerung von öffentlichem und privatem Raum geschieht durch die Auswahl der Standorte. Der auditive Zugang soll ergänzt werden, ein Zusammenspiel aus Innen und Aussen soll stattfinden, die Bilder – das eigentliche Werk – sollen vor dem inneren Auge entstehen.

«Eine überdimensionale Lampe schwebt in der Mitte des kleinen Zimmers: Dutzende schneeweisse Federn ergeben eine runde Form, flauschig und weich. Jede Feder wölbt sich so, dass sich eine geschichtete Masse bildet, regelmässig. Und jede Feder besitzt eine eigene Form, biegt sich etwas mehr oder etwas weniger, ist ein bisschen grösser oder ein bisschen kleiner. Sie sagt, man habe die Lampe gefunden, irgendwo. Eine riesige Kugel, jede einzelne weisse Feder unversehrt. Wie eine nette Wolke, die statt Regen Licht spendet, thront sie über den zwei Kinderbetten, den Legosteinen, dem aus Karton gebastelten Puppenhaus, der orangenen Rassel. Auch ein selbstgebasteltes Flugzeug steht auf dem Schrank neben der Rassel. Es ist blau angemalt, die Räder und der Propeller hingegen rot. Da der Schrank in der Ecke des Zimmers steht, erreicht nicht viel Licht das Flugzeug. Es befindet sich im Halbdunkeln und ist zum Fenster ausgerichtet: Bereit, jederzeit loszufliegen.»

Drei von vier Hörstationen auf den Gassen Altdorfs: www.graebligasse.ch, www.tellsgasse.ch, www.crivelliweg.ch und www.schlossergaessli.ch (die gesprochenen Texte waren bis im Sommer 2018 auf den angegebenen Internetadressen hörbar).

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Theoretische Masterthesis

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«Haben wir unseren Rückzugsraum zum Teil verloren? Ist es so gesehen noch möglich, authentisch zu sein oder wird das Zuhause nur noch für die Öffentlichkeit eingerichtet? Sind die Grenzen vom Innen und Aussen so stark vermischt oder nützt diese Exponierung sogar, sich selbst besser kennenzulernen? Könnte es nicht sein, dass der Blick zum eigenen Ich dadurch Distanz gewinnt und man nicht nur virtuell, sondern auch in der Realität zu einem besseren Ich wird, dadurch, dass man als andere Person kommuniziert und interagiert? Oder beeinflusst uns die dauernde Beobachtung von aussen und der Zwang, sich öffentlich darzustellen, so stark, dass wir gar nicht mehr wir selbst sein können? So, dass unser Zuhause am Ende nicht nach unserem, sondern nach dem Geschmack «der Öffentlichkeit» eingerichtet ist, dass wir glauben, uns selbst nach aussen so stark verstellen zu müssen, dass wir am Ende unsere Identität und Individualität an die Öffentlichkeit verlieren? Oder ist das Inszenieren und die zweite Identität auf dem Netz ein Schutzmechanismus, sozusagen eine Barriere, eine Art Privatsphäre? Etwas, das uns hilft, uns in der virtuellen Welt zu bewegen?»

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