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Marina Woodtli, einander fremd, eigentum unbekannter Person, Luzern 2014 Marina Woodtli, einander fremd, Foto: Andri Stadler, Luzern 2014
einander fremd
Marina Woodtli
Major
Art in Public Spheres
Art Teaching
Abschlussjahr
2014

einander fremd

Ein edler Mann, Chef seines Anzuges. Eitelkeit wird zum gewohnten Griff seines Kammes. Das Rasierwasser sein Begleiter, das selbst den Geruch von Tandoori Chicken schwinden lässt. Hier scheinen andere Regeln zu gelten. Nichtsdestotrotz ist angepasstes Verhalten ein Code, den er zu verstehen weiss.

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Bist du so gross wie es in deinem Pass steht?

Höhenflug des Lebens, den Boden für einen kurzen Augenblick unter den Füssen verlieren – abheben. Die Schwerkraft wird überbewertet, flüchtig der Aggregatszustand – wenn Kerosin die Luft erfüllt. Unterwegs und der Magen stets das Tor zur Welt.

Ist es seltsam, ein Exot zu sein? Ist dies nicht jeder Mensch, abhängig vom Kontext?
Wenn einem die eigene Sprache fremd ist und Haut sich anfühlt wie mit tausend Pinselstrichen berührt. Die Luft ist kühl. Auf Besuch, wo Milch sämig und fettig ist und Toiletten bessere Löcher. Beschämt und doch neugierig. Die Tage anderer verbringen, fremd, hellwach lauernd auf eine unbekannte Landschaft. Ein fader Himmel, das Dorf zusammengekauert, aneinander geklebte Dächer, staubige Strassen am Rande einer Grossstadt. Getrockneter Büffelmist schützt vor Frieren an kalten Tagen. Zu Längen – und Breitengraden, die unbekannte Orte bergen, beitragen und als ein besserer Mensch zurückkehren.

Wortkarger Kingston. Scheint nur mittelmässig zu sein. Trinkt Kaffee Haag. Mitte 30 und geht nur gebügelt aus dem Haus. Die Brusthaare blenden das weisse Hemd. Der Blick stets von unten links nach oben rechts gerichtet, das Maul gespitzt und das Doppelkinn kaschiert. Spiegel der Oberfläche, die er liebt.

Sind buschige Augenbrauen ein Merkmal von Blutsverwandtschaft?
Wagnis unbekannter Gesichter, die sich wie Teller an Teller reihen. Armut legt sich auf den Boden, während der Lonely Planet zum Red Fort einlädt. Hierarchien bestimmen die Farben. Rot, Blau, Grün, Gelb – es riecht unerträglich und raubt Appetit auf Leben. Gesättigt von Farben, Lärm und Dreck. Die Augen unentwegt unterwegs – wechselnd. Unrast. Aufbruch. Heimkehr nach weiten Umwegen?

Welche Sprachen sind deine Wurzeln?
In allen Welten zu Hause sein und doch unbekannt, beklemmt im Eigenen. Was bedeutet Heimat? An Land sitzend, weit weg segelt die Kolonie, hinter dem Horizont verschwindend. Kurzatmig die Welt ein- und ausatmen. Stillstehen. Luzern. Weiter. Überall ein Stück Himmel, der Landschaften zum Reisen einlädt. Der Fluss nicht schwarz, aber klar. Die Leute freundlich, aber nicht lesbar, unantastbar.

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